Architekturpreise
Erweiterung und Umbau der Schule an der Eierkampstraße zur Mira-Lobe-Schule
Erweiterung und Umbau der Schule an der Eierkampstraße zur Mira-Lobe-Schule
Erweiterung und Umbau der Schule an der Eierkampstraße zur Mira-Lobe-Schule
Fotos: Michael Rasche, Dortmund
Preis:Auszeichnung guter Bauten 2014 des BDA Dortmund Hamm Unna
Titel:Erweiterung und Umbau der Schule an der Eierkampstraße zur Mira-Lobe-Schule
Ort:Eierkampstr. 2-4, Dortmund
Architekt:Marcus Patrias Architekten BDA, Dortmund
Bauherr:Stadt Dortmund

 

 

Juryurteil "Architekturpreis NRW 2015"

Mitten in einer Phase intensiver Diskussion über Bildung und Schulbau kann der Um- und Weiterbau der ehemaligen Max-Wittmann-Grundschule zu einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung als beispielhaft angesehen werden für den Umgang mit einem Dortmunder Schultypus, der in den 1960er und 70er Jahre systemisch errichtet wurde. Durch das Einfügen eines mehrfach nutzbaren Systems von Verbindungsgalerien, Treppen, Sitzstufen und Aufenthaltszonen im Zentrum eines H-förmigen Grundrisses wird, abgesehen von der intelligenten Intervention in energetischer Hinsicht, eine räumliche Reichhaltigkeit geboten, die den Bauten der Nachkriegszeit schmerzlich gefehlt hat, heute aber unverzichtbar erscheint.

Ein im obersten Geschoss unter der Decke liegendes Lichtband lässt eine außergewöhnlich intime Atmosphäre in der zentralen Halle entstehen, die der Aufenthaltsqualität mit Sicherheit förderlich ist. Die minimalistisch anmutende Materialwahl ist durchaus in Fortführung eines alltagstauglichen Gesamtkonzeptes verständlich und erschließt sich auf eine sehr sinnliche Art und Weise.

 

Juryurteil "Auszeichnung guter Bauten 2014"

Hintergründig und bemerkenswert ist dieses Projekt. Hintergründig vor allem das bemerkenswerte Dortmunder Schulbausystem der 1960er und 1970er Jahre. Kriegszerstörungen, Bevölkerungszuwachs und Arbeitermangel machten beherztes Handeln erforderlich, um den Bedarf zu decken. Wachstumsprognosen zufolge, sollte im Jahr 2000 die 1.000.000 Einwohnergrenze in Dortmund überschritten werden. Die Stadt Dortmund legte 1962 als erste Kommune mit Unterstützung des Landes NRW ein umfangreiches Schulbausystem auf. Auch heute weisen die Gebäude aus dieser Zeit, die zwei Drittel des gesamten Schulbaubestandes ausmachen, noch Vorteile und Chancen auf. Die Abkehr von der Vorstellung der Bauten als "Kurzfristprodukte" und die Hinwendung zur Verlängerung der Lebensdauer im Sinne von Pflege der kapitalen und stofflichen Ressourcen ist ein Postulat der nachhaltigen Entwicklung. Diese Erkenntnisse sind bei der Planung für die Umnutzung und Erweiterung einer ehemaligen Grundschule zu einer Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung besonders beachtet und umgesetzt worden.

Vorteile und Chancen des Schulbausystems aus den 1960er und 1970er Jahren wurden klug genutzt. Die Erweiterung der Schule hat Vorbildcharakter. Aus einer verwahrlosten Fläche wurde ein lichter, heller Raum, der für die Förderschule multifunktional nutzbar ist - gewählt wurden schöne Materialien - umgebaut nach der Maßgabe "weniger ist mehr".

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