Architekturpreise
Kleines Haus Blau, Umbau und Erweiterung eines Einfamilienhauses, Hürth
Kleines Haus Blau, Umbau und Erweiterung eines Einfamilienhauses, Hürth
Kleines Haus Blau, Umbau und Erweiterung eines Einfamilienhauses, Hürth
Foto: Veit Landwehr
Preis:Kölner Architekturpreis 2014
Titel:Kleines Haus Blau, Umbau und Erweiterung eines Einfamilienhauses, Hürth
Ort:Pestalozzistr. 1, Hürth
Architekt:BeL Sozietät für Architektur, Prof. Anne-Julchen Leeser, Prof. Jörg Leeser, Köln
Bauherr:Sirit und Dirk Breuer

 

 

Juryurteil "Architekturpreis NRW 2015"

Beim kleinen blauen Haus in Hürth handelt es sich, um den Umbau eines Einfamilienhauses aus den 1950er Jahren. Das Skelett des Bestandsgebäudes wurde im Wesentlichen wiederverwendet, leicht erweitert und die Gesamterscheinung des Wohnhauses komplett neu gestaltet.

Die Jury ist besonders angetan von der spielerischen und provozierenden Entwurfshaltung der Verfasser. Die Ästhetik deutscher Vorstädte, die geprägt wird durch Selbstbau, Baumarktprodukte und das sukzessive Erweitern von Gebäuden, wird im kleinen blauen Haus sehr bewusst auf ihr Potential für die Architekturproduktion selbst untersucht. Das Resultat scheint vertraut und verstört zugleich. Das Haus präsentiert sich zunächst einmal als eine scheinbar willkürliche Collage kontrastierender Architekturelemente, die elementare Bedürfnisse ihrer Bewohner zu befriedigen scheinen. Beim genaueren Hinsehen wird deutlich, dass diese Elemente Teil einer bewussten Komposition sind und sehr liebevoll detailliert wurden, um ein harmonisches Ganzes zu schaffen.

 

Juryurteil "Kölner Architekturpreis 2014"

Wir verstehen das kleine blaue Haus auf den ersten Blick nicht wirklich. Wir finden es aber sofort sehr sympathisch. Vieles an dem Haus scheint uns vertraut und sehr normal zu sein. Erst bei längeren Hinschauen wird klar: hier hat jemand sehr sorgfältig und sehr geistreich aus einem kleinen Einfamilienhaus aus den 50er-Jahren ein geräumiges und zeitgemäßes Wohnhaus gemacht. Und genau deshalb soll dieses Haus eine Auszeichnung bekommen. Der prämierte Entwurf zeigt uns nämlich exemplarisch, dass Umbauen und Weiterbauen zeitgemäße und architektonisch vollwertige Strategien sind. Oftmals ist es übrigens auch ökonomisch und ökologisch besser, das Vorhandene weiterzuverwenden als alles neu zu machen.

So war es auch beim blauen Haus in Hürth. Das bestehende Gebäude wurde bis auf den Rohbau zurückgeführt und von dort aus neu aufgebaut und erweitert. So kamen Vordächer, Dachgaube und Treppenhaus dazu. Und auf der Gartenseite wurde dem bestehenden Massivbau eine ganze Raumschicht als ausgefachter Stahlskelettbau hinzugefügt. Die neue Raumaufteilung im Innern zeugt vom klaren architektonischen Willen, Ordnung zu schaffen. Die Architekten sprechen denn auch von einer „Ertüchtigung zur Klassik“. Und tatsächlich trägt die beinahe klassizistische Klarheit und Regelmäßigkeit der Räume dazu bei, dass wir uns vorstellen können, dass hier die Räume für alle möglichen Nutzungen brauchbar sind (…)

Architektonisch kann man das umgebaute Haus wie eine Collage oder Komposition verstehen. Alle konstruktiven Teile sind sorgfältig zueinander in Beziehung gesetzt. Jedes Element, sei es noch so klein, ist präzise gefügt und erzählt eine kleine Geschichte; zum Beispiel davon, wie es früher einmal war, und was heute daraus geworden ist, oder davon, wie wir uns bewegen und wie wir die Dinge anfassen und benutzen. Die großen Fragen der Architektur lassen sich auch an kleinen Bauaufgaben erfolgreich behandeln. Der Entwurf von Anne-Julchen Bernhardt und Jörg Leeser zeugt in beeindruckender Weise davon.

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