Gespräche über Architektur, Architekturtheorie und Bedeutungsgeschichte der Stadt
Peter Degen und Ellen Schneiders haben jahrzehntelang im Spagat von Architektur und Archäologioe gearbeitet und geforscht. Die Auseinandersetzung mit der archäologischen Boden- und Bautenforschung war ihnen nicht "Hobby", sondern Anstoß zur Reflektion von grundlegenden Prämissen ihrer Praxis und Lehre. Die Forumsreihe 2012 soll dazu einige Fenster öffnen.
Forum 01/2012
08. Februar 2012 – Peter Degen – Ibach-Saal
Architektur und Archäologie: Widerstreit oder Ergänzung?
Die Stadtbauschule von Aldo Rossi und Giorgio Grassi, wie auch die Architektur der Tessiner Tendenza begründen in den Siebzigerjahren ein neues Interesse der Architekten und Städtebauer an historischen Baustrukturen. Der Dialog zwischen Archäologen und Architekten beginnt allerdings konfliktbeladen: Wo die einen nach den Maximen einer "objektiven Wissenschaftlichkeit" akribisch ihre Befunde erörtern, da suchen die anderen spekulativ die strukturelle Idee hinter diesen Befunden. Wie hat sich dieser Dialog in den letzten Jahrzehnten entwickelt, wieweit ist der Widerstreit einer gegenseitigen Bereicherung gewichen?
Forum 02/2012
Terminänderung:
21. März 2012 | Ellen Schneiders | Ibach-Saal
(14. März entfällt!)
Syrien, Tall Bi'a: Bauschichten und bauhistorische Interpretation
4000 Jahre gebaut, genutzt, zerstört, verlassen, eingestürzt, zugeweht, planiert, neu bebaut und wieder umgenutzt. In den Bauschichten des Tall Bi'a am syrischen Euphrat liegen die Ruinen eines frühchristlichen Klosters, eines städtischen Wohnquartiers, von zwei Palästen und die Grabbauten frühdynastischer Herrscher dicht übereinander. Einer dieser Paläste erweist sich als Beispiel für die Entwicklung eines Prototyps der Architektur. Die Auslegung der Forschungsergebnisse führt uns nach Südmesopotamien, nach Ostanatolien und Troja, in die Levante und nach Ägypten.
Forum 03/2012
11. April 2012 – Peter Degen – Ibach-Saal
Schweiz, Grottenburg Riedfluh
Zwei Architekten als Grabungsleiter einer mittelalterlichen Forschungsgrabung – was führen sie an Kenntnissen fort, was bringen sie zusätzlich mit ein? Wir machen uns anhand einer überschaubaren Grabung mit den Methoden der archäologischen Bodenforschung vertraut. Daneben spüren wir einigen Überraschungen nach, die mit den lehrbuchhaften Interpretationen der Mittelalterarchäologie nicht befriedigend zu erklären waren, die umgekehrt den Architekten Fenster zu neuen Ansätzen der Siedlungsgeschichte eröffneten. Es wird auch gezeigt, wie ein Befund der Grabung eine unmittelbare Auswirkung auf Projekte ihrer architektonischen Praxis hatte.
Forum 04/2012
09. Mai 2012 – Peter Degen – Ibach-Saal
Asien, Sri Lanka, Sigiriya
Bau- und ideengeschichtliche Annäherungen an ein "abgeweidetes Forschungsfeld". Der Felsen von Sigiriya ist heute Weltkulturerbe, Touristenmagnet und scheinbar bis in alle Winkel ausgeleuchtet. Ein Besuch zeigt sehr schnell Ungereimtheiten und Widersprüche der gängigen Auslegungen dieser Felsenstädte auf. Was zeigt Sigiriya, wenn man sich diesen Ort unbefangener annähert, wenn man, nach der Maxime von Le Corbusier, versucht "zu sehen, was es zu sehen gibt"? Dieser Ansatz einer "Archäologie ohne Spaten" arbeitet mit Fragestellungen, die hinter dem exotischen Lokalkolorit die Geltung einfacher wie grundlegender Topoi erahnen, die eine weltweite Anwendung finden.
Forum 05/2012
13. Juni 2012 – Peter Degen – Ibach-Saal
Anatolien, Göbekli Tepe: Kultort einer Zeitenwende?
Wir haben mit den vorgehenden Einführungen die Arbeitsmethoden und Interpretationsmuster von Architekten und Archäologen kennengelernt. Wir setzen nun an zu einem Stationenweg durch die jüngere Zivilisationsgeschichte, der uns an Orte führt, welche die Sichtweisen beider "Wissenschaften" an noch unausgelotete Grenzen führt. Der auftakt dieser chronologisch gestaffelten reihe gilt einem außerordentlich faszinierenden Grabungsort: Göbekli Tepe in Anatolien. die Baugeschichte des frühen Menschen begann hier, an der Zeitenwende zwischen Nomadismus und Sesshaftigkeit, mit einem paukenschlag: Die aufgedeckten Strukturen sind ebenso rätselhaft in ihrer Deutung wie in der Vollkommenheit ihrer Architektur. was war der antrieb zu ihrer Erstellung, welche Vorstellung stand hinter dem Muster?
Forum 06/2012
11. Juli 2012 – Peter Degen – Ibach-Saal
Magna Graecia: Stadtstruktur und Polis
Es ist für einen zeitgenössischen Städtebauer depremierend, aus der mitteleuropäischen "Agglo" heraus die hellenistischen Städte zu entdecken. auf Grundlage des hippodamischen Regelwerks entstanden ab dem 5. Jahrhundert vor Chr. Städte, bei denen die Erbauer die straffe Organisation des Rasters innovativ auszufachen wussten. sie schufen Anlagen, wo sich uniforme Wohnzonen und Monumentalbereiche zu erlebnisreichen, komplementären Strukturen fügten. Diese Städte gelten als Ursprung unseres abendländischen Verständnisses von Demokratie. Warum sehen die Siedlungen unserer Demokratien so anders aus, wo liegen die Ansatzpunkte einer Erklärung solch unterschiedlicher Gefügemuster?
August Sommerpause
Forum 07/2012
12. September 2012 – Ellen Schneiders – Ibach-Saal
Irak, Babylon: Stadt und Turm – Mythos, Fiktion und Wahrheit
Der ruf der Stadt Babylon ist ruiniert. sie gilt sowohl als Symbol für Anmaßung, Sünde, Despotie, Unzucht als auch für Knechtschaft und provoziert das Menetekel des Untergangs. Die Stadt als Mahnmal der Apokalypse und der Turm als angeblich unvollendetes architektonisches Monstrum sowie als Schauplatz der Sprachverwirrung inspiriert bis heute Künstler, Baumeister und Visionäre. Die Wahrheit über die tatsächliche Stadt des "gesammelten Wissens" wird langsam aus den Ruinen Mesopotamiens geschält. Sie liefert ein abwechslungsreiches, jetzt wissenschaftlich fundiertes Bild der zu Unrecht geächteten Stadt und erstaunt in der Rekonstruktion des Turmes als baugeschichtlichhervorragendes Meisterwerk.
Forum 08/2012
10. Oktober 2012 – Peter Degen – Ibach-Saal
Italien, Maremma: Ortsausbauten der "Tuff-Zivilisation"
Eine Gruppe Studierender bricht auf, in der "Tripolis" Pitgliano, Sorano und Sovana die baulichen Zeugnisse der "Tuff-Zivilisation" der südlichen maremmen zu untersuchen. Sie konzentriert sich anfänglich auf den Untergrund der Städte, entdeckt dort verschüttete Verbindungen zum Umland, folgt diesen in die scheinbare Wildnis einer canyonartigen Landschaft und stößt auf vergessene Artefakte einer einmaligen Kulturlandschaft, deren Entstehung bis in die etruskische Zeit zurück zu verfolgen ist. Die Geschichte einer städtebaulichen Propektion, deren Fokus sich unversehens und mit viel Gewinn ins Umland verlagerte.
Forum 09/2012
14. November 2012 – Peter Degen – Ibach-Saal
Nordamerika,"Cliff-Dwellers" und Pueblo-Indianer: vorkolumbische Felsenstädte
Das Pueblo Bonito der Chaco-Kultur in Neu-Mexiko war bis vor wenigen Jahrzehnten das Bauwerk mit der größten Zahl von Innenräumen der Welt. Was hat die Erbauer bewogen, in den unendlichen Weiten der ariden Hochplateaus derart dicht zu bauen? Was hat die "Cliff-Dwellers" angestiftet, sich mit ihren Felsenstädten in die gigantischen Balmen der Canyons einzunisten? Wir betrachten signifikante Bauwerke und versuchen Antworten zu finden, die über verteidigungsorientierte Erklärungen hinausgehen.
Forum 10/2012
12. Dezember 2012 – Peter Degen – Ibach-Saal
Afrika, Zimbabwe, Kultkomplex "Greater Zimbabwe"
der bautenkomplex "Greater Zimbabwe" stellte bis in die mitte des 20. Jahrhunderts eines der großen Rätsel Afrikas dar. Wie konnte inmitten einer holz- und lehmbauorientierten Kultur ein "Steinwerk" in der vorhandenen Qualität entstehen? Waren Fremdeinflüsse antiker Hochkulturen oder gestrandete Abenteurer die Ursache? Wir folgen den auslegungen des Archäologen Peter Garlake, der die Ergebnisse seiner Grabungen mit wachem blickfür die Gegebenheiten des Umraums verortet und damit zu Einsichten gelangt, die für die generelle Entwicklung der Architektur von grundlegender Bedeutung sind.
Die Vorträge und Gespräche finden finden jeweils von 19.00 bis 21.00 Uhr statt.
Moderation: Peter Degen, Prof. em. FH Düsseldorf und Dipl.-Ing. Ellen Schneiders, Architektin und Stadtplanerin i. R.
Programm-Flyer zum Herunterladen und Ausdrucken
Veranstalter:
BDA Düsseldorf e.V.
Hansaallee 321, 40549 Düsseldorf
Tel.: 0211.32 69 97
Fax: 0211.53 81 34 7
Mail: info@bda-duesseldorf.de
In Kooperation mit dem Stadtmuseum Landeshauptstadt Düsseldorf
Die Veranstaltungen dieser Reihe sind von der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen als Fortbildungsveranstaltung für die Fachrichtung Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur und Stadtplanung diesmal im Umfang von jeweils 2 Unterrichtsstunden anerkannt!